Gesundheit auf dem Land - ein immer größer werdendes Problem


Dr. med. Antje Kloth, Carsten Steinbrügge, Veikko Hackendahl, Peter Stein / Bild: Magnus Schirmer
Klinische Leiterin Dr. med. Antje Kloth, Geschäftsführer Carsten Steinbrügge, Landtagskandidat Veikko Hackendahl, Bundestagsabgeordneter Peter Stein / Bild: Magnus Schirmer

Ein zentrales Problem der Landbevölkerung ist die medizinische Versorgung. Oft sind Ärzte mehrere Dörfer entfernt oder gar erst in der nächsten Großstadt zu finden. Auf der anderen Seite rechnen sich Dorfpraxen für hoch ausgebildete Mediziner nur selten.


Das Tessinum im Landkreis Rostock versucht diesem Problem mit einem Campus aus verschiedenen medizinischen Angeboten entgegenzuwirken. Mittlerweile befinden sich mehrere Arztpraxen, wie Allgemeinmediziner, einem Gynäkologen, Chirurgen, Orthopäden, HNO-Arzt und Urologen auf dem Gelände. Des Weiteren sind am Standort ein Logopäde, Podologe, Hörgeräteservice und ein Sanitätshaus um das ursprüngliche Therapiezentrum für Geriatrie und Schlaganfall erwachsen. Ein Zentrum für Betreutes Wohnen und Pflege gehören ebenso zu dem Campus, wie Ambulante Alten- und Krankenpflege. Demnach ist das Tessinum nunmehr nicht nur für ältere Menschen ein wichtiger Anlaufpunkt, sondern hat sich zu einem Gesundheitszentrum für alle Tessiner und Tessinerinnen sowie für Menschen aus der ganzen Region entwickelt.



Gesundheitszentrum Tessinum
Gesundheitszentrum Tessinum / Bild: Magnus Schirmer

Der Geschäftsführer Carsten Steinbrügge gibt zu bedenken: „Das Areal ist aufgrund seiner kurzen Wege sehr einzigartig.“ Langfristig solle das Ziel des Tessinums sein, mit einem ganzheitlichen Ansatz auf den Patienten zuzugehen. Das neue Versorgungskonzept soll akut- und rehamedizinische Betreuung vereinen und so dafür sorgen, dass gerade ältere Menschen nicht aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen werden müssen, wenn es ihnen ohnehin schon schlechter geht, als sonst.


„Das Alter ist ein Tabuthema der heutigen Gesellschaft“, meint die klinische Leiterin Dr. med. Antje Kloth der geriatrischen Rehaklinik. Die gebürtige Warnemünderin war einst in Rostock Oberärztin für Neurologische Intensivmedizin und kam mit gemischten Gefühlen vor 15 Jahren zur Vorstellung bei dem Unternehmen, doch dann wurde sie „von der Wärme, die hier herrschte und sich in jedem Kontakt wiederfand, gefangen genommen.“ Letztendlich bereute sie ihre Entscheidung damals nicht, sich dem Team des Tessinums anzuschließen. Dort dürfe sie wirklich Arzt sein und im Gegensatz zum Krankenhausalltag die medizinische Versorgung nach eigenen Vorstellungen gestalten. Geriatrische Kliniken seien für sie daher Oasen des Gesundheitssystems, denn auch wenn die Anstalt in privater Hand liege, stehe der Mensch deutlich im Mittelpunkt der Arbeit.


Die Ärztin engagiert sich auch im Förderverein GERIO, aus dem Teile des Campus’ hervorgegangen sind. Seit einiger Zeit ist das Unternehmen jedoch zu groß für einen Verein geworden. Es musste ein Trägerwechsel stattfinden. Dadurch verlor der Verein seine Zielstellung und er änderte sein Satzungsziel. Nun versucht GERIO mit seinen 50 Mitgliedern Projekte voranzubringen, um dem demographischen Wandel zuvorzukommen. Dazu bilden sie Netzwerke und digitalisieren die Patientenaktien, natürlich nur nach vorheriger datenschutzrechtlicher Einwilligung.


Auch wenn es dem Campus derzeit aus Sicht Kloths und Steinbrügges gerade recht gut geht, suchen sie noch nach einem Augenarzt und einem Dermatologen. Diese fehlen in der Umgebung noch für eine flächendeckende Versorgung. Hier konnte das medizinische Versorgungszentrum in Rostock bisher noch keine langfristige Lösung finden. Zudem beklagen sie eine Lücke im Gesundheitssystem: Reha-Kliniken dürften derzeit nicht ausbilden. Es sei daher schwer, frisch Ausgebildete mit einer Bindung am Standort zu halten. Das sei ein riesiges Problem, da aufgrund der Finanzierung durch Krankenkassenbeiträge Rehapfleger und -pflegerinnen schlechter bezahlt seien, als ihre Kollegen in den Pflegeheimen. Dort würden private Beiträge auf die Pflegekräfte umgelegt und könnten leichter angepasst werden.


Vor allem in diesem Winter bewiesen die Pflegekräfte in der Reha-Einrichtung, welche Strapazen sie aushalten müssen. Im Rahmen der Entlastung von regulären Krankenhäusern in der Hochzeit der Pandemie hielt das Tessinum Betten für Krankenhauspatienten vor, damit genügend Betten in den speziell ausgestatteten Kliniken für schwerere Fälle verfügbar blieben. Sie kümmerten sich dabei auch im Coronapatienten und riskierten ihr eigenes gesundheitliches Wohl.





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