Peter Stein zu Besuch im Hotel Neptun - "Wir brauchen zwei Wochen Vorlauf"

Aktualisiert: Juli 13


(c) Hotel NEPTUN
(c) Hotel NEPTUN

Denn der Rost muss raus - und das dauert. Aus Hygiene- und Technikgründen müssen täglich alle Wasserhähne eine gewisse Zeit laufen und die Toilettenspülungen betätigt werden. Eine der wenigen Aufgaben des Hotelpersonals. Auch das komplette Sicherheitsteam muss anwesend sein, trotz null Bewegung im Hotel „Neptun“. All das bedeutet Ausgaben, doch die Gäste – und damit die Einnahmen – fehlen.


Doch Guido Zöllick, seines Zeichens General Manager, bleibt motiviert zu öffnen. Bei 300 Mitarbeitern wird dies Zeit in Anspruch nehmen. Durch die lange Pause müssen sich Arbeitsprozesse erst wieder finden, hinzukommen aktualisierte Hygiene-und Arbeitskonzepte zu Corona. Zwei Wochen bräuchte man schon. Gleich dem Chef, sind auch die Mitarbeiter voller Elan, doch auch bei ihnen lässt die Kraft nach. Erschwerend komme das teils uneinheitliche Vorgehen aus der Politik in der Pandemie hinzu. „Man ist an einem Punkt, wo man nicht mehr zu argumentieren weiß“, so der Hoteldirektor und fügt hinzu: "Die Hilflosigkeitsschwelle ist schon längst überschritten!"


Der Bundestagsabgeordnete Peter Stein, der sich vor Ort über die Lage informiert, hat Verständnis für die Frustration innerhalb der Branche: „Natürlich verstehen wir die Enttäuschung bei Betreibern von Herbergen, Restaurants und Kneipen. Wir wollen Ihnen schnellstmöglich Öffnungsperspektiven geben, müssen jedoch immer in die Abwägung mit der Gesundheit und Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger hineingehen. Die aktuellen Zahlen, vor allem beim Impfen, stimmen mich allerdings positiv.“


Zöllick hofft auf eine baldige Öffnung, jedoch werde man erst öffnen, wenn Deutschland in Gänze wieder öffnet (nicht nur MV), frei nach dem Motto: „Ganz oder gar nicht“. Auch Verordnungen, die vorsehen nur 60% der Räume zu belegen, kämen für ihn nicht in Frage und seien nicht lukrativ. Man merkt es schnell an diesem nebligen Warnemünder Morgen: Guido Zöllick, seit 2016 neben seiner Tätigkeit für das weithin sichtbare Neptun auch Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), ist kein Freund von halben Sachen.


Die Hilferufe aus Hotellerie und Gastronomie werden lauter und deutlicher. Man hofft auf Perspektive, Klarheit und Gleichheit. Vor allem aber auch auf Sicherheit in jeglicher Hinsicht, soll heißen: Gesundheits-, Fälschungsschutz (bei Tests) und natürlich Rechtssicherheit.

In der Zwischenzeit hofft man trotz alledem zumindest auf die Öffnung des Außenbereiches des Restaurants. Nicht für den Umsatz, sondern für das Personal. "Die Mitarbeiter wollen endlich wieder etwas tun", so der Hotelchef Zöllick. Doch Verlust bleibe eben Verlust. Zöllick warnt dabei vor dem Boomerang, den er auf viele zukommen sieht. Viele Unternehmer aus der Branche würden seiner Ansicht nach in Schwierigkeiten kommen, wenn aufgenommene Kredite nicht mehr bedient werden könnten. Was bleibt ist das System Hoffnung. Für die Wiederaufnahme des Betriebs brauche es einen Vorlauf von zwei Wochen, um beispielsweise genügend Waren und Lebensmittel für all die Gäste zu bestellen. Bis dahin bleibe nur das tägliche Aufdrehen der Wasserhähne.



Bildrechte: Hotel NEPTUN

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