Vom Schlips zur Nudel


Der Kühlschrank ist immer gut gefüllt / Bild: Magnus Schirmer

Noch vor dem Ortsschild Niendorf bei Schwaan steht ein auffälliger Hof: Über dem knallroten Hofladen prangt ein rundes Logo mit der Aufschrift „Real Food“. Davor sind nur wenige Parkplätze und mehrere imbissartige Wägen.


„Anders als andere Hofläden“ könnte man das Erscheinungsbild beschreiben. Genauso ist aber auch das Konzept des Ladens, denn hier „dreht sich alles ausschließlich um die Nudel“, sagt der Inhaber Patrick Grümmert. Mittlerweile hat der 41-jährige ein ganzes Nudelimperium aufgebaut. Egal ob Spaghetti, Linguine, Tagliatelle, Herz-Pasta oder viele weitere Sorten. Kunden können sich zwischen der frischen Variante entscheiden oder zur luftgetrockneten Variante greifen. Auch die Zutaten variieren, sodass auch Menschen mit Glutenunverträglichkeit, Veganer oder einfach Menschen mit Lust auf Spinat-, Linsen- oder beispielsweise Dinkel- und Vollkornpasta glücklich wieder heimfahren. Darüber hinaus bietet Grümmert selbstgemachte Saucen, Pesto und Gewürzmischungen an. Sein Sortiment komplettieren passende Weine zur Pasta oder Präsentkörbe. 150 Produkte stehen in dem kleinen Laden und im Onlineshop des Unternehmens zur Auswahl. Rund um die Uhr können sich Pastahungrige sogar vor dem Laden an einem Kühlschrank mit dem Nötigen eindecken und an einer 'Kasse des Vertrauens’ das Geld da lassen. „Einfach bewusst essen“ lautet das Motto des Unternehmens. Ein Credo für das Kunden bis zu 50 Kilometer Fahrt in Kauf nehmen.


Bevor Grümmert mit seinen Nudeln regionale Berühmtheit erlangte, war er in seinem Leben viel unterwegs. Er war Koch auf einem Schiff, studierte in Heidelberg und als er mit 31 Hoteldirektor wurde, deutete nichts darauf hin, dass er zehn Jahre später jeden Tag Nudelteig kneten würde. Doch er sah in dieser Zeit viel von der Welt und war inspiriert, diese kulinarischen Eindrücke mit in den deutschen Nordosten zu nehmen. Seine Entscheidung von der Lohnarbeit in die Selbstständigkeit war für ihn auch die Entscheidung vom Schlips Abstand zu nehmen und zurück zu den eignen Wurzeln zu finden.


Seinen Laden konnte er auch erfolgreich durch die Pandemie steuern. „Das verflixte siebte Jahr!“, so scherzt Grümmert über die letzte Zeit, in der er einen Einbruch von 30% der Verkäufe verzeichnen musste. Dennoch ein Segen für ihn. Nach sieben Jahren im Geschäft nahm er sich nun Zeit für sich selbst und stellte im Kopf von Gewinnmaximierung auf Maximierung der Lebensqualität um.


„Wir sind jetzt angekommen“, sagt er. Schließlich hat sein Geschäft schon fünf Mitarbeiter, die mit ihm zusammen produzieren, mit den Pastamobilen auf regionalen Märkten und Veranstaltungen stehen, die Außengastronomie vor dem Laden betreuen und das Catering.


Letztendlich gesteht Patrick Grümmert aber, dass ihn die Krise nur halb so schlimm getroffen habe, denn „neben Toilettenpapier, waren Nudeln das wichtigste Konsumgut. Wir haben unzählige Nudelpakete zum Beginn der Krise rausschicken müssen.“

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